Café Philo in der Stadtbibliothek Brugg

Abwechselnd mit Christian Graf moderiere ich das Café Philo in Brugg. Man trifft sich in schöner Atmosphäre zu einem lockeren Gespräch über philosophische Fragen. Eingeladen sind alle Interessierten, keine Vorkenntnisse erforderlich. Man darf auch einfach reinsitzen und zuhören. 

ab 10 Uhr gibt es Kaffee und Gipfeli

10.30-12.00 offenes Philosophieren

bis 13.30 gemütliches Beisammensein bei Suppe und Brot

Eintritt frei, Kollekte.

Programm Saison 2021/22: Oberthema Körper

Sonntag, 17. Oktober 2021: Ich taste, also bin ich - eine philosophische Annäherung (Malu) 
Sonntag, 21. November 2021: Körperkult (Christian) 
Sonntag, 19. Dezember 2021: Wem gehört mein Körper? (Malu)
Sonntag, 16. Januar 2022: Alter, Gesundheit (Christian)
Sonntag, 20. Februar 2022: Was sind Frauen?, Was sind Männer? (Malu)
Sonntag, 20. März 2022: Menschen, Tiere, Pflanzen (Christian)

Programmdetails:

 

Sonntag, 17. Oktober 2021: Ich taste, also bin ich - eine philosophische Annäherung (Malu) 

In der Geschichte der Philosophie spielte der Körper eine untergeordnete Rolle. Es ging in erster Linie darum, wie man den Geist freibekommt von den Bedürfnissen des Leibes. Diese Körperferne gipfelte in Descartes berühmter Feststellung «Ich denke, also bin ich». Nach heutigem Wissensstand müsste man aber sagen: «Ich taste, also bin ich.» Denn der Tastsinn ist unser erster Sinn und Berührung das, was uns Menschen wachsen und gesund bleiben lässt. Erst danach kommen die klugen Gedanken.

In der ersten Veranstaltung zur Themenreihe «Körper» geht es darum, herauszufinden, welche Bedeutung der Körper heute hat: Wie werden Körper in der Öffentlichkeit wahrgenommen und definiert? Welche Wertvorstellungen existieren, welche Tabus? Vertiefen werden wir das Thema, indem wir über Berührung nachdenken, die uns in Pandemiezeiten ganz besonders herausfordert.

Sonntag, 21. November 2021: Körperkult (Christian) 

Das Wort «Kult» (cultus deorum = Götterverehrung) steht für eine religiöse oder sonst rituelle Praxis. Welche Formen solcher Verehrung des Körpers kennen wir in der gegenwärtigen Zeit? Welche Motive kommen dafür in Frage? Wie lässt sich das Bedürfnis nach Ritualisierung des Körperlichen verstehen?

Sonntag, 19. Dezember 2021: Wem gehört mein Körper? (Malu)

Diese Frage scheint erst absurd zu sein. Natürlich gehört mein Körper mir. Tatsächlich aber gibt es Lebenssituationen, in denen wir nicht frei entscheiden können, was mit unserem Körper geschieht. Als Kinder sind wir abhängig von der elterlichen Fürsorge, als kranke Menschen von medizinischem Personal. Dass wir unserem Körper keinen Schaden zufügen, ist etwas, was Mitmenschen von uns verlangen. Und auch der Staat redet ein gewichtiges Wort mit, wenn es um unsere körperliche Selbstbestimmung geht.

Wir schauen konkret hin und diskutieren aktuelle Fragestellungen aus der Medizinethik. Wo schreiben wir als Gesellschaft vor, wie mit dem Körper umgegangen werden muss? Was bezwecken wir damit? Und wie ist das für Betroffene?

 

Sonntag, 16. Januar 2022: Alter, Gesundheit (Christian)

Unter dem Aspekt von Krankheit und Gesundheit ist das Altern nur als Niedergang zu verstehen. Krankheiten nehmen zu, Gesundheit ab. Dieser Prozess verschont eher den Geist als den Körper. Aber gibt es nicht auch eine Chance des Alters?

Sonntag, 20. Februar 2022: Was sind Frauen?, Was sind Männer? (Malu)

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist die Tatsache, wie wir die Menschheit in Frauen und Männer unterteilen in Frage gestellt. Mit ihrem wegweisenden Werk «Das andere Geschlecht» hat Simone de Beauvoir 1947 gezeigt, dass es die Gesellschaft ist, die «richtige» Frauen und Männer durch kulturelle Normen, Verhalten, Erziehung, Sprache usw. erschafft. Die Philosophin unterscheidet deshalb zwischen biologischem und sozialem Geschlecht – der Grundstein, auf dem der Feminismus aufgebaut hat. Heute erscheint auch das biologische Geschlecht immer weniger als fixe Konstante, aber Geschlecht bleibt etwas, das unsere Identität, unser Verhalten und unsere Gesellschaft prägt. Deshalb lohnt es sich, da genauer hinzuschauen: Woher kommen unsere Vorstellung von Frauen und Männern? Was können wir gewinnen, wenn wir Geschlechternormen hinterfragen? Und wie radikal ist normal?

Sonntag, 20. März 2022: Menschen, Tiere, Pflanzen (Christian)

Was unterscheidet uns Menschen von Tieren und Pflanzen? Gemeinsam mit ihnen haben wir Teil am Leben. Was aber ist mit dem Geist, der Seele? Was können wir vom Leben der Tiere und Pflanzen überhaupt wissen? Worauf gründen wir unsere Ansicht davon?

Woher kommt das Café Philo?

Das erste «Café philosophique» wurde 1992 in Paris gegründet. Sein Initiator, Marc Sautet, wollte damit an die sokratische Tradition des offenen Philosophierens anknüpfen. Mit geschicktem Fragen hatte Sokrates auf dem Marktplatz in Athen seine Zeitgenossen dazu angeregt, die eigene Meinung zu hinterfragen. Es ging Sokrates dabei nicht um Belehrung, sondern darum, die Menschen zum Denken anzuregen. Genau so suchte Marc Sautet im ersten Café Philo, das es übrigens noch immer gibt, mit seinen Gästen ein «lockeres Gespräch über existentielle Fragen.»

Unterdessen gibt es das Café Philo weit über Europa hinaus auf allen Kontinenten der Erde, geprägt von der jeweiligen Gesprächskultur.

 

An wen richtet sich das Café Philo?

Das Café Philo richtet sich an alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Bildung, ihrem kulturellen und sozialen Hintergrund. Es soll die Lust am Nachdenken fördern und sucht bewusst einen nicht-akademischen, leicht verständlichen Zugang zur Philosophie.

 

Nach welchen Regeln funktioniert das Café Philo?

Normalerweise gibt eine Philosophin oder ein Philosoph ein Thema vor, über das nachgedacht und debattiert wird. Die wichtigste Voraussetzung für ein gelungenes Café Philo ist die Einstellung der Teilnehmenden. Es geht darum, mit grosser Offenheit ins Gespräch zu gehen, mit Lust etwas zu lernen und Bereitschaft, das eigene Weltbild möglicherweise in Frage zu stellen. Wichtig ist nicht, wer bei einer Sache Recht behält, sondern zu verstehen, wieso jemand die Dinge anders sieht. Zuhören und Nachfragen sind ebenso wichtig, wie das Formulieren der eigenen Meinung. Auf diesem Weg können wir uns entwickeln, einander mit Respekt begegnen und schönstenfalls voneinander lernen.

Die Aufgabe der Philosophin oder des Philosophen besteht darin, dafür zu sorgen, dass der Umgang stets respektvoll bleibt und dass sich die Gäste wohlfühlen. Als Moderierende sind sie dafür zuständig, nachzufragen, zu strukturieren, Probleme oder Inhalte zusammenzufassen und allenfalls für neue Inputs zu sorgen. Es gehört nicht zu ihren Aufgaben, endgültige Antworten oder akademisches Wissen zu präsentieren.

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